Popkomm Messe

Popkomm MesseLang, lang ist es her, dass die Popkomm Messe als internationaler Treffpunkt der Musikbranche galt – LEIDER! Zu ihren guten Zeiten lag ihr inhaltlicher Schwerpunkt sowohl auf Deutschland & Europa als auch auf den USA, Südamerika sowie Australien. In ihrem Charisma war sie vor allen Dingen businessorientiert. Zudem bot sie eine hervorragende Plattform für innovative junge Unternehmen, Key-Player, Digital Music Bizz und Live-Bizz. Als wichtiger Teil der Berlin Music Week etabliert, erfährt sie zur Zeit eine Neuausrichtung ihres ganzheitlichen Konzepts, da sich der bereits im Abschlussbericht der Popkomm 2011 angedeutete Wandel der Musikwirtschaft schon weitestgehend vollzogen hat und die Popkomm in ihren Grundzügen nicht mehr besteht. Aber wie kam es dazu?

Back to the Roots

Die Popkomm galt als „DIE“ Handelsmesse der Musik- und Unterhaltungswirtschaft auf internationalem Parkett. Sie zog seit ihren Anfängen in Köln jedes Jahr tausende Fachbesucher aus der ganzen Welt in ihren Bann. Dabei setzte sie auf ein ausgeklügeltes Veranstaltungskonzept, in dem Fachmesse, Festival und Kongress integriert wurden. Veranstaltet wurde sie von der Messe Berlin GmbH. Bis zuletzt galt sie als ein Teil der Berlin Music Week, während sie ab 2015 zusammen mit der Berlin Music Week als Teil der „Pop=Kultur“ agiert. Ein langer, aber auch steiniger Weg, der mitten in den 1980er Jahren seinen Anfang fand…

Alles begann in Wuppertal

Dieter Gorny, der ehemalige Leiter vom „Rockbüro NRW“, initiierte damals eine „Musikmesse ohne Namen“ in der „Wuppertaler Börse“. Aus diesen Anfängen erwuchs im Jahre 1989 die Popkomm, die damals als alternativer Insidertreff in der Musikszene galt. Im Jahre 1990 war es dann soweit, und die „Ur-Popkomm“ fand in Köln statt. Bereits 2003 wurde diese internationale Branchenmesse dann nach Berlin verkauft. Berlin war damals genau die richtige Plattform für die Popkomm, denn hier entwickelte sie sich zu einem Magneten. Sie galt als eine der größten B2B-Veranstaltungen der Musikindustrie auf internationalem Niveau bis sie im Jahre 2009 ein jähes Ende aufgrund von sinkenden Einnahmen fand. Im Jahre 2010 erlebte sie auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof ein Revival als Bestandteil der Berlin Music Week, wurde 2012 abgesagt und geht seit dem Jahre 2015 völlig neue Wege, die in dem reduzierten Konzept „Pop=Kultur“ münden. Laut Pressemitteilungen wird beabsichtigt, sie im Berliner Techno-Club „Berghain“, der sich im Stadtteil Friedrichshain befindet, stattfinden zu lassen, aber wie bereits erwähnt, wird an der künftigen endgültigen Ausrichtung noch „gefeilt“…

Vom Goliath zum David

David mit dem Haupt von GoliathDie Popkomm Messe, derzeit auf ein Minimum reduziert, gehörte zu den bedeutendsten Veranstaltungen der Musikbranche, da von ihr entscheidende wirtschaftliche sowie kulturpolitische Impulse ausgegangen sind. Sie war ein unterhaltsamer Treffpunkt sowohl für innovative Labels, Independents und Majors als auch für Händler und Verlage. Im Jahre 2006 mussten immerhin 16.000 m² Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt werden, um den 817 Ausstellern optimale Möglichkeiten zur Präsentation zu geben. 589 internationale Aussteller, die aus 55 Ländern kamen, verbreiteten internationales Flair und sahen sich ca. 15.000 Fachbesuchern gegenüber. Die Absage der Popkomm am 19. Juni 2009 bedeutete eine Zäsur, die mit einer geringen Gewinnerwartung begründet wurde, jedoch bis heute kontrovers diskutiert wird. Apropos Diskussionen, diese standen auf dem stattfindenden Popkomm-Kongress stets im Mittelpunkt. Hier wurde nicht nur die aktuelle Themenvielfalt der Musikbranche diskutiert, sondern auch innovative Ideen vorgestellt, die von internationalen Vertretern der Branche eindrucksvoll vermittelt wurden. So zählten keine Geringeren als Feargal Sharkey, Sänger der Undertones, Gilberto Gil, Musiker & Gründer des Montreux Jazz Festivals, Claude Nobs sowie Musikproduzent Lou Pearlman zu den Prominenten, die dieser Messe zu noch mehr Glanz verhalfen. Last but not least soll noch einmal auf die hervorragenden Akteure verwiesen werden, die der dritten Säule des Events, dem Festival, viel Beifall einbrachten. Die Popkomm Messe 2006 steht dafür exemplarisch, denn hier rockten ca. 2.000 Musiker die Bühne und ca. 600 Std. Live-Musik, eingebunden in ca. 400 Auftritte, begeisterten ca. 70.000 Besucher. Genreübergreifend nutzten Billy Talent, Joy Denalane, Chicks on Speed, The Aggrolites, Kaizers Orchestra, The Long Blondes, Lunik und Juliette and the Licks die Gunst der Stunde, um sich einem breiten und interessierten Publikum zu präsentieren, hier war jedes Genre willkommen, sicher ein Aspekt, der auch künftig punkten sollte, oder?

Nun, diese Mega-Zeiten sind vorbei, dennoch gilt es jetzt, wieder einen Weg zu finden, der durch Innovation und Kompromisse gekennzeichnet ist. Wünschen wir also der „neuen“ Popkomm Messe alles Gute auf ihrem nicht leichten, aber schönen Weg…